
Das Forum richtet sich an alle, die an einer Erforschung der Quellen des historischen Fechtens interessiert sind. Es bietet einen Raum, in dem ungelöste Fragen diskutiert, laufende Projekte vorgestellt oder einfach nur angeregte Gespräche über Kampfbücher, die materielle Kultur der Vormoderne und die Praxis der Kampfkunst in historischer Perspektive geführt werden können.
Das Forschungsforum versteht sich als Projekt der Public History und damit als Schnittstelle zwischen innovativer Citizen Science aus der HEMA Community und institutionell angebundener Forschung an Universitäten, Museen, Archiven und Bibliotheken, will aber auch schlicht ein Treffpunkt für Freund:innen nerdiger Detailfragen, kniffliger Transkriptionen oder der Suche nach dem ersten biographischen Nachweis von Johannes Liechtenauer (GND: 118761390) sein.
Wichtig ist uns, dass JEDE:R in diesem Kreis willkommen ist. Es sind keine Vorkenntnisse nötig, man muss nicht Geschichte, Germanistik oder Kunstgeschichte studiert haben und eine langjährige Erfahrung im Fechten ist auch nicht erforderlich. Stille Zuhörer:innen mit ausgeschalteter Kamera sind ebenso willkommen wie eifrig Mitdiskutierende, nur Freude an der Sache und Interesse an der Erforschung der historischen Quellen solltet ihr mitbringen.
Kommt einfach vorbei und schaut es euch an!
Ausgewählte Beiträge des Forschungsforums können in Zukunft auch nachträglich auf YouTube angesehen werden: www.youtube.com/@
Das Forschungsforum wird organisiert und moderiert von Eric Burkart.
Die Zugangsdaten zum Zoom gibt es kurz vor der Veranstaltung auf dieser Seite oder per Mail über den DDHF-Newsletter: https://ddhf.de/newsletterregistrierung/
Nächstes Forschungsforum: 15.04.2026 um 20.00 Uhr
Niklas Ziegler: Städtische Arenen? Die Rolle von Fremden in der urbanen maskulinen Gewalt- und Ehrkultur von 1450 bis 1600
Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Städte waren ein Ort des Kontaktes, aber auch der daraus resultierenden Konflikte zwischen Einheimischen und Fremden. Bürger grenzten sich selbstbewusst von Auswärtigen über ihren Eid, „Freud und Leid“ miteinander zu teilen, ab – sie waren somit Teil einer urbanen Gemeinschaft, welche sich nicht zuletzt durch den bürgerlich-kriegerisch-männlichen Habitus konstituierte, aber auch ausdrückte. Bürger waren verpflichtet, bei Auftreten von Gewalt innerhalb der Stadt einzugreifen. Dies konnte von einer Schlägerei bis zu einer Belagerung reichen. Ein Bürger definierte seine Männlichkeit über die Fähigkeit, sich, sein Haus und schließlich seine Stadt mit Waffen verteidigen zu können. Auch für die Herstellung der stets fragilen männlichen Ehre war die Fähigkeit und vor allem die signalisierte Bereitschaft existentiell, zur Waffe zu greifen, um eine wahrgenommene Ehrverletzung zurückzuweisen. Wie aber nun war der Platz von Fremden in dieser Sphäre? Wurde ihnen ein Platz in dieser kriegerisch-männlichen Domäne eingeräumt und die Fähigkeit gewährt, ihre Ehre zu verteidigen und sichtbar zur Schau zu stellen? Um diesen Fragen nachzugehen, blickt der Vortrag vor allem auf das Fallbeispiel Frankfurt.
Zum Referenten: Niklas Ziegler hat 2021 seinen Bachelor in Geschichte an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit zum Rezipientenkreis des Kölner Kampfbuches abgeschlossen. Daraus ist ein Aufsatz in den Acta Periodica Duellatorum in Vorbereitung. 2024 hat er seinen Master, ebenfalls in Heidelberg, mit einer Arbeit zum Nutzungskontext der Münchner Ausgabe des Kampfbuches von Paulus Kal abgeschlossen. Daraus befinden sich zwei Aufsätze in Vorbereitung. Seit April 2025 ist er Mitglied im Mini-Graduiertenkolleg „Fremde in der Stadt“ an der Universität Mainz. Bis April 2025 hat Nilas Ziegler zehn Jahre bei den Gladiatores in Karlsruhe gefochten, vor allem mit dem langen Schwert, dem Singlestick, dem Rapier und der Mordaxt. Nun ficht er bei der Bunten Schar in Budenheim, die sich vor allem auf das lange Schwert und das Rapier konzentriert.
Zugangsdaten:
Thema: DDHF-Forschungsforum, Niklas Ziegler: Städtische Arenen? Die Rolle von Fremden in der urbanen maskulinen Gewalt- und Ehrkultur von 1450 bis 1600
Zeit: 15. Apr. 2026 08:00 PM Amsterdam, Berlin, Rom, Stockholm, Wien
An Zoom-Meeting teilnehmen
https://uni-trier.zoom-x.de/j/69787120583?pwd=dax78hWlRiGgKpGBEIalFyhnGUSBWL.1
Meeting-ID: 697 8712 0583
Kenncode: jg3Gkzar
Termine 2026
| Datum | Vortragende:r | Thema |
|---|---|---|
| Donnerstag, 05.02.2026 | Kilian Theil | Im Zeichen des Markuslöwen – Symbole und religiöse Netzwerke der Marxbrüder |
| Mittwoch, 15.04.2026 | Niklas Ziegler | Städtische Arenen? Die Rolle von Fremden in der urbanen maskulinen Gewalt- und Ehrkultur von 1450 bis 1600 |

Vortrag Dezember 2024
Vorträge 2023–2025
| Datum | Vortragende:r | Thema und Link zur Aufzeichnung |
|---|---|---|
| 2025 | ||
| Dienstag, 26.11.2025 | Sabine Kindel | Vortrag: Die Marxbruderschaft - Die Spuren des fechtenden Handwerks in Frankfurt |
| Montag, 27.10.2025 | Chris-Lee Becker | La Verdadera Destreza: Geschichtlicher Überblick über das System und die Entwicklung des Schwerts von ca. 1550 - 1750 |
| Donnerstag, 11.09.2025 | Maciej Talaga | Interpretathon (Gastvortrag): Archaeology of Motion - Matter as an Endospore |
| Mittwoch, 03.09.2025 | Eric Burkart | Interpretathon: Video-Dokumentation / Körpergeschichte |
| Dienstag, 26.08.2025 | Eric Burkart | Interpretathon: Kampfkontexte in Handschrift 3227a / Bewegungshypothesen entwickeln und dokumentieren |
| Montag, 18.08.2025 | Eric Burkart | Interpretathon: Projektvorstellung / Die Handschrift 3227 im historischen Kontext |
| Freitag 01.08.2025 | Dr. Jacob Deacon | Masters of Defence: Fencers and Fencing in England, c. 1400-1600 |
| Donnerstag, 27.02.2025 | Werner Ueberschär | Meistersang und Waffenklang: Von dichtenden Meistern und singenden Fechtern in der Reichsstadt Nürnberg |
| Dienstag, 28.01.2025 | Eric Burkart | Crowdsourcing 2025 – Kooperation zwischen HEMA Community, Geschichtswissenschaft und dem Germanischem Nationalmuseum Nürnberg |
| 2024 | ||
| 16.12.2024 | Dierk Hagedorn | Johannes Liechtenauer. Alle Quellen, alle Versionen, alle Farben |
| 21.10.2024 | Dr. Marc Heimann | Tempo und Stille als Logik des Kampfes im italienischen Rapier |
| 19.08.2024 | Jan Schäfer | “Sie gehen gewiß nach dem Fechtboden“ – Gespräche über das Fechten aus Sprachlehrbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts |
| 17.06.2024 | Matthias Guckenbiehl | Talhofers Bellifortis-Rezeption. Eine inhaltliche Analyse von Ms. Thott.290.2° |
| 15.04.2024 | Niklas Ziegler | Wer ficht kölsch? Eine Analyse des Kölner Fechtbuchs |
| 19.02.2024 | Dr. Cornelius Berthold | Zwei linke Hände und Fechten auf Kniehöhe: Zu Darstellungskonventionen in MS I.33 |
| 2023 | ||
| 18.12.2023 | Eric Burkart | Fightbooks@Uni-Trier – Eine neue Forschungsdatenbank für die Geschichtswissenschaft und die HEMA-Community |
Abstracts vergangener Vorträge
Kilian Theil: Im Zeichen des Markuslöwen – Symbole und religiöse Netzwerke der Marxbrüder (05.02.2026)
Als erste kaiserlich privilegierte Fechtgesellschaft faszinieren die Marxbrüder bis heute – und bieten wohl deshalb reichlich Stoff für Mythen.
Wir folgen ihren überraschend frühen Anfängen als Laienbruderschaft am Frankfurter Dominikanerkloster, die Handwerkern nicht nur geistliche Dienste, sondern auch soziale Aufstiegschancen eröffnete. Doch diese enge Verbindung zerbrach im frühen 16. Jahrhundert auf spektakuläre Weise – nicht zuletzt durch die maßgebliche Beteiligung des Marxbruders Laux Braun. Der Konflikt wirft ein eindrucksvolles Schlaglicht auf das soziale Gefüge der Bruderschaft und die Spannungen einer Reichsstadt im Wandel.
Im zweiten Teil rücken wir das bislang wenig beachtete Wappen der Marxbrüder von 1541 in den Mittelpunkt, dessen Einordnung neue Perspektiven auf ihre Selbstdarstellung eröffnet. Auch die Wappenbesserung von 1670 durch Leopold I. wird im historischen Kontext eingeordnet. Welche Vorstellungen von Identität, Anspruch und Inszenierung treten in diesen außergewöhnlichen heraldischen Quellen zutage?
Ein lebendiger Rundumschlag zu den Meistern des langen Schwerts – ihren Netzwerken, Symbolen und ihrer erstaunlichen Wandlungsfähigkeit.
Zur Einstimmung empfiehlt sich Sabine Kindels Vortrag vom 26.11.25, der die Marxbrüder und ihre Spuren anschaulich vorstellt: https://youtu.be/AAeJr0JrZ9E?si=E5gNH_Cxit3G_sOY
Zum Referenten: Kilian Theil ist Historischer Fechter und von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main geförderter Stipendiat des Programms „Stadtteil-Historiker“. Er publiziert seine aktuellen Forschungsergebnisse zur Geschichte der Marxbrüder auf der Seite: https://kiliantheil.com/
